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Urban Bees: Bienenzucht auf den Dächern von Berlin

Alicia Kassebohm
Alicia Kassebohm Insider Tipp vom 30. Januar
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Es summt und brummt. Für manch einen mögen es beängstigende Geräusche und Schwingungen sein, für Johannes Weber sind es Geräusche der Entspannung und Zuversicht. 

Er ist Gründer des Stadtbienen e.V., eines gemeinnützigen Vereins, der den Schutz von Wild- und Honigbienen in der Stadt fördert. Das Imkern liegt bei ihm quasi schon im Blut, da sein Großvater Imker war. Die Leidenschaft hat Johannes dann in die Großstadt mitgenommen, wo er zunächst einen urbanen Garten mitbetreut hat. Die Idee, dort auch Bienen zu halten, war von Anfang an da. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis er die erste Bienenbox konstruierte. Eine Kiste, die als Behausung für ein Bienenvolk in der Stadt dient, so wie er es sich vorstellte. Und eine Kiste, die den Anfang eines größeren Projektes darstellt: Projekt Stadtbienen.

Wichtig ist die Intention hinter seinem Vorhaben vor allem deswegen, weil schon seit längerem bekannt ist, dass Bienen masenhaft sterben. Als Hauptgründe dafür werden die Varroamilbe, eine vorherrschende Monokultur – also kein kontinuierliches und variierendes Blütenangebot für Bienen – und Pestizide genannt. Seit den 1990er Jahren kann man deshalb einen weltweit massiven Rückgang bei der Anzahl der Bienenvölker beobachten. Betrachtet man die Zahlen in Deutschland, sind es bis zu 30 Prozent der Bienen, die in einem Jahr sterben.

Eine extrem große Anzahl der Obstbäume und Blütenpflanzen muss von Insekten – vorrangig von Bienen – bestäubt werden, damit Früchte reifen und sich die Pflanzen vermehren können. Deshalb wären die Folgen eines kompletten Aussterbens der Tiere besonders fatal – rund 150 unterschiedliche Nutzpflanzen und 80 Prozent der Wildpflanzen in Europa wären betroffen.
Beim Sammeln von Nektar und Pollen in den Blüten zur eigenen Ernährung bestäuben die Bienen die Pflanzen, da sie die Blütenpollen von einer Blüte zur anderen tragen. Dabei sichern sie aber nicht nur das Überleben der Pflanzen und die Ernte für uns Menschen, sondern erhalten auch die ökologische Vielfalt.

Nicht umsonst sind Bienen nach Schwein und Rind unser drittwichtigstes Nutztier. Sollte es sie nicht mehr geben, wäre somit auch unsere Nahrungsmittelversorgung gefährdet.

Aus diesem Grund debattieren und entwickeln Naturwissenschaftler und Forscher auf der ganzen Welt neue Lösungsansätze, wie man die Blüten sonst bestäuben könnte. Die Harvard-Universität befasst sich beispielsweise mit Roboterbienen. In Asien wiederum hätte man genug Arbeitskräfte, sodass man die Pflanzen mithilfe von „menschlichen Bienen“ bestäuben könnte. Auch wenn es die unterschiedlichsten Theorien und Herangehensweisen gibt, fest steht, dass es auf lange Sicht eine Lösung braucht.

Die Stadtbienen bieten einem die Möglichkeit, etwas für den Erhalt von Bienenvölkern zu tun.

In aktuell zwölf, nächstes Jahr in 17 Städten werden Kurse im gesamten deutschsprachigen Raum angeboten, in denen man lernt, wie die Bienenhaltung funktioniert und was man dabei alles beachten muss. Nach sechs Terminen, die über ein ganzes Jahr verteilt sind, kann jeder Teilnehmer sich als Imker behaupten und seine eigene Bienenbox – eine Bienenbehausung, die eigens für den Einsatz in der Stadt konstruiert wurde – anbringen. Diese wird ökologisch beimkert, ist flexibel im Garten, auf dem Dach oder am Balkon anzubringen und kann einfach bewirtschaftet werden.

Die in ihrer Bauweise einfachere Behausung für Bienen wurde nicht auf maximalen Honigertrag optimiert, sie soll primär einen Wohnraum für die Bienen bieten. Aus dem Grund auch der Slogan „Ein Zuhause für Bienen“.

„Die Leute, die zu uns kommen, wollen auch weniger Honig, sondern eher ein Hobby. Sie wollen Bienen halten und etwas für den Bienenschutz tun. Und dennoch ist die Honigernte mit 15 Kilogramm im Jahr immer noch sehr viel“, erklärt Johannes Weber. Und das, obwohl man nur den Überschuss erntet, sodass die Bienen auch auf eigenem Honig überwintern können und kein zusätzliches Zuckerwasser benötigen. Übrigens hat Stadthonig gegenüber dem Landhonig aber auch den Vorteil, dass in ihm weniger oder gar keine Pestizide gefunden werden.

Trotz der Vorteile ist es wichtig, dass auf lange Sicht die Bienen wieder aufs Land kommen. Die Stadt ist als Rückzugsraum zwar wunderbar geeignet, doch der Ort, wo Bienen eigentlich gebraucht werden, sich zurzeit aber nicht wohl fühlen, ist auf dem Land – das Dilemma an der Geschichte. Also geht es darum, das Land so zu verändern, dass es den Bienen dort gut geht: Pestizide und Monokulturen, in denen hektarweise nur eine Getreide- oder Pflanzenart angebaut wird, sollten zu unser aller Wohl abgeschafft werden.

Um den Vorgang zu unterstützen, kann jeder von uns etwas tun. Und keine Angst, das bedeutet nicht, dass man gleich mit einem ganzen Bienenvolk auf engstem Raum in Koexistenz leben muss.

Der Stadtbienen e.V. bietet beispielsweise auch Partnerschaften an, wo man die Betreuung eines Bienenvolkes fördern kann. Außerdem kann man bienenfreundliche Blüten und Pflanzen wie beispielsweise Thymian, Lavendel oder Sonnenblumen anpflanzen, um mehr Nahrung für die Bienen zu schaffen. Oder man achtet darauf, Produkte zu kaufen – möglichst im Bioladen – , die nicht in Monokulturen angebaut werden.

Damit wissen dann auch noch die Kinder unserer Kinder, um was für Tierchen es sich bei der kleinen frechen Maja und ihrem Freund Willi handelt.

©Pictures – Stadtbienen e.V.
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