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Der Späti – die besondere Berliner Bar-Erfahrung

Alicia Kassebohm
Alicia Kassebohm Insider Tipp vom 30. Januar
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Berlin ohne Spätis ist ungefähr so wie ein Festival ohne Musik oder Frozen Yoghurt ohne Topping. Geht gar nicht.

Wer denkt, dass Spätkäufe nur dafür gut sind, um schnell noch Kondome fürs Date zu holen, die vergessenen Eier für den Sonntagskuchen zu besorgen oder die Wegmische und Zigaretten vor dem Club zu kaufen, irrt sich gewaltig. Kein Ort könnte besser sein, um 24 Stunden lang interessante Leute kennenzulernen, neue Freundschaften zu schließen oder einen romantischen Abend zu verbringen.

Deshalb kauft man in Berlin beim Späti nicht nur ein, sondern bleibt auch gerne etwas länger und erfährt vielleicht sogar etwas über die Geschichte der Betreiber. Sehr oft sind die Spätkäufe nämlich auch Familienbetriebe, in denen Zusammenhalt und Freundschaft großgeschrieben werden und die auch vieles für neue Freunde, neue Familienmitglieder quasi, tun würden. Es gibt sogar Spätis, in denen die Betreiber für ihre Kunden kochen. Auf den Tisch kommt dann etwas wie Wiener Würstchen und Kartoffelsalat. Det is Berlin, sach ick dir.

Um das Lebensgefühl der Spätis gebührend zu feiern, fand im Herbst letzten Jahres sogar das erste Spätival, ein kleines Musikfestival vor ausgewählten Shops in Kreuzberg, statt. Vier Bands spielten vor den jeweiligen Läden und rotierten nach je einer halben Stunde. Auch dieses Jahr soll das kleine Straßenmusikerfest veranstaltet werden. Regelmäßige Späti-Bargänger wissen jedoch, dass so ein Spektakel im kleinen Rahmen durchaus auch mal spontan passieren kann.

Trotz aller Berliner Liebe haben die Verkäufer aber schon seit einiger Zeit mit neuen Gesetzesentwürfen und finanziellen Engpässen zu kämpfen. Umstritten ist nämlich nach wie vor, ob an Sonn- und Feiertagen ein freies Verkaufsrecht besteht. Laut einem neuen Gutachten vom wissenschaftlichen Dienst des Abgeordnetenhauses darf an diesen Tagen nun ein begrenztes Sortiment verkauft werden, das dem sofortigen oder baldigen Verzehr diene oder als Andenken durchgeht. Dazu gehören beispielsweise Backwaren, Milchprodukte, Blumen, Zeitungen und Bier, aber keine Tiefkühlware, kein Mehl, kein Toilettenpapier. Auch wenn die Kontrollen, laut Tagesspiegel, bisher noch unterschiedlich stark in den Bezirken umgesetzt werden, hoffen wir, dass ein neues Gesetz vielleicht auch irgendwann wieder Tiefkühlpizza am Sonntag zulässt.

Wie auch immer: We will always support our local Späti.

Alle, die also noch nicht wissen, wohin es am Samstagabend gehen soll, sollten unbedingt den schönsten oder sympathischsten Spätkauf in ihrer Nähe aufsuchen. Dort trinkt man nämlich für garantiert die Hälfte des Geldes genauso guten Wein oder Cidre wie in den angrenzenden Bars und hat am Ende des Abends neue, authentische Freunde.

©Pictures – Alicia Kassebohm
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