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Kochen und Kunst

Alicia Kassebohm
Alicia Kassebohm Insider Tipp vom 30. Januar
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Im Studio von Olafur Eliasson kommt beides nicht zu kurz

Essen verbindet. Die Esskultur ist so alt wie die Menschheit selbst. Durch das Zusammensitzen und das gemeinsame Essen findet ein Austausch statt, Freundschaften werden geschlossen und neue Ideen entstehen. 

Doch nur mit dem richtigen Essen tanken wir genügend Energie. Energie, die wir am besten durch organische Gerichte aus Zutaten, die idealerweise zudem noch mit Wasser und Sonnenlicht vor der Haustür gewachsen sind, aufnehmen. Und auf einmal macht der ganze Kreislauf des Lebens Sinn. Jemand, der sich intensiv mit Naturphänomenen wie Wasser und Licht beschäftigt, ist Olafur Eliasson. Eigentlich kennt man den dänischen Künstler mit isländischen Wurzeln durch seine Installationen, die mit Licht und anderen Naturerscheinungen spielen, Fotografien und Konzeptkunst im öffentlichen Raum. Er zählt zu den bedeutendsten Kreativen der Gegenwartskunst. Wer einmal in seinem „Your Rainbow Panorama“ in Aarhus war, weiß, wie sehr sich Kunst und in diesem Fall auch Licht auf die eigene Stimmung und Wahrnehmung auswirken kann. Auf dem Dach eines dänischen Kunstmuseums entwickelte Eliasson einen 150 Meter langen, kreisförmigen Panoramaweg, der mit seiner bunten gläsernen Hülle einem Regenbogen gleicht und von dem aus die Besucher einen einzigartigen Blick auf die Stadt bekommen.

Mit seinem Projekt „Little Sun“, einer Solarlampe für Afrika, hat er bewiesen, dass seine Arbeit weit über den Kunstbegriff hinausgeht. Seit 2012 liefert das Berliner Studio die LED-Lampen und aufladbare Batterien, die sich etwa 900 mal aufladen lassen. Damit können Kinder beispielsweise auch noch nach Sonnenuntergang lesen und lernen. Auf dem Dach seines Büros in Berlin befindet sich selbstverständlich auch eine Solaranlage.

Eliasson ist also ein Freund von Energie. Positiver Energie. Diese findet man auch an der langen Tafel in seinem Studio in Berlin-Prenzlauer Berg, wenn die bis zu 90 Mitarbeiter gemeinsam Mittag essen. Architekten, Künstler, Grafiker, Lektoren, Handwerker, Filmemacher, Presseleute – sie alle teilen sich das frisch zubereitete Essen aus den großen Schalen auf dem Tisch. Selbst Ai Weiwei hat dort schon mal zugelangt.

Seitdem die Zahl an Mitarbeitern im Künstlerstudio deutlich zugenommen hat, kümmern sich diese nicht mehr selbst um die Zubereitung der Gerichte, sondern ein professionelles Kochteam. Neben den beständigen Küchenchefinnen Asako Iwama und Lauren Maurer bereiten auch Gastköche, wie Kochrevolutionärin und Food-Aktivistin Alice Waters oder Sternekoch und Besitzer des dänischen Restaurants Noma, René Redzepi, die vegetarischen Mahlzeiten aus nachhaltigem Anbau zu. Dazu zählen etwa Teigtaschenvariationen, Quiche, verschiedenste Pasta-Gerichte, Salate oder süße Gebäcke.

Für die Mahlzeiten müssen die Mitarbeiter übrigens nichts zahlen. Nur beim Aufräumen müssen alle einmal helfen. Aus diesem Gemeinschaftsgedanken entstand dann auch das Kochbuch von Olafur Eliasson. Ursprünglich für die Mitarbeiter des Studios gedacht als Sammlung der Hausrezepte, die mit botanischen Illustrationen und Fotos geschmückt wurden, kann man „The Kitchen“ nun auch als Nicht-Mitarbeiter kaufen und sich von natürlichen Gerichten mit lokaler Herkunft ermuntern lassen.

Unter den acht Themen Atelier, Körper, Pflanzen, Samen, Mikroorganismen, DNA, Mineralien und Universum gibt es jeweils bis zu 15 Rezepte, mit denen es sich vor allem für größere Gruppen kochen lässt. Trotzdem gibt es Angaben für kleine Personenzahlen. Es bleibt nur noch die Frage, ob es sich mehr um ein Koch- oder ein Kunstbuch handelt. Wobei es vielleicht auch keine Grenze geben muss. Das Buch regt zum Denken an, inspiriert und ermuntert einen, eine Gruppe von Menschen durch Essen zusammenzubringen. Gibt es etwas Schöneres?

Wer wissen möchte, wie es täglich in der Studioküche aussieht, kann dem Instagram-Profil folgen:
www.instagram.com/soe_kitchen

Für 39,95 € kann man das Kochbuch „The Kitchen“ im guten Buchhandel erwerben.

©Pictures – Alicia Kassebohm
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